Von Lustschlössern und Spukhäusern. Raumatmosphären in Kunst, Literatur und Film
Sep 20th, 2011 | By Steffen Krämer | Category: Spatial concepts, Spatial Cybernetics, TopicsAuthor
Steffen Krämer Institut für Kunst- und Baugeschichte, KIT / Institut für Kunstgeschichte, Universität München
E-Mail: steffen-kraemer@web.de
Fulltext
Abstract English
In the baroque age the maison de plaisance – summer residence – was the symbol for the exclusive way of passing the time for the European aristocracy and upper classes. With these grand country seats the atmosphere of pleasure and amusement obtained its architectural arrangement. In modern literature and film this tradition was continued to create with architectural settings spatial atmospheres of highest symbolic expression. The most famous example of dark spatial atmospheres is the haunted house. In many ghost stories and horror films haunted houses play the leading part, and important architectural details, for instance doors, staircases or walks, are transitional elements, which evoke the different moods of fear and terror. These architectural dramaturgies are frequently based on ancient partly mythical patterns of imagination integrated in an archetypal dimension of cultural anthropology. Therefore – if positive or negative – spatial atmospheres have a deep attraction for everyone, especially in media of art, literature and film.
Keywords
Maison de plaisance, Haunted house, Spatial atmosphere, Architectural arrangement
Citation
Steffen Krämer “Von Lustschlössern und Spukhäusern. Raumatmosphären in Kunst, Literatur und Film” Journal of New Frontiers in Spatial Concepts, ISSN 1868-6648, vol.3 (2011), 73 – 81, Article ID http://ejournal.uvka.de/spatialconcepts/archives/1286, Pages: 9


Seit Anbeginn der Menschheit verbringen wir einen großen Teil des Lebens in von uns erschaffenen Räumlichkeiten, die meist dem Wohnen oder Arbeiten dienen. Die Entwicklung vom Wände bemalenden Höhlenmenschen zum Mietshausbewohner, Büroangestellten oder Arbeiter in der Werkhalle ist einerseits beachtlich, während sie andererseits von einer nicht zu leugnenden anthropologischen Kontinuität begleitet wird. Doch das eigentlich Faszinierende am Raum ist seine „Lebendigkeit“, seine jeweils eigene Atmosphäre, die in Steffen Krämers Artikel durch den Kontrast zwischen Lustschloss und Spukhaus eingefangen wird. Die Atmosphäre des Raums ist hier gleichsam ein Spiegelbild der mentalen Zustände der sich in ihm befindenden Person. Dabei scheinen natürliche oder kulturell bestimmte Dispositionen vorhanden, nach welchen die Gemütsstimmung auch durch die Anlage des Raums beeinflusst, ja zuweilen sogar bestimmt wird. Daher ist es möglich bestimmte Techniken zu entwickeln mit denen eine gewünschte Atmosphäre erzeugt werden kann. Diese „Inszenierung“ ist eine zentrale Fähigkeit der Kunst, und Krämer gelingt es, sie anhand seiner Beispiele anschaulich zu machen. In einer zunehmend künstlichen Welt stellt sich die Frage, ob es überhaupt noch möglich ist der Inszenierung zu entfliehen oder aber sie zumindest in die eigene Hand zu nehmen.