Formatting and Loss of Space – Considerations (including Annex Typing & Loss)
Mai 25th, 2009 | By Ulrich Gehmann | Category: Spatial conceptsAuthor
Ulrich Gehmann, Institut für Geschichte, University of Karlsruhe
E-Mail: ugehm@t-online.de
Fulltext
Abstract English
Considerations about spatial concepts today have to take into account the actual ongoing loss of space. And
of how such a process is able to generate a multitude of new spaces, at the same time. What both kind of
processes, juxtaposed as they are, have in common, and what their relation to still another kind of processes
is, namely such of formatting, of willingly creating and simulataneously, unwillingly generating a multitude
of formats existing in parallel to each other which impact our everyday lifes, and which rest upon basic assumptions about ’space’ and ‘reality’ in general. Related to these processes is a loss of space, in actual terms.
Keywords
Formats, loss of space, hybrid spaces, new spatial frontiers, iconization
Citation
“Loss of Space – Considerations (including Annex Typing & Loss)” Journal of New Frontiers in Spatial Concepts, ISSN 1868-6648, vol. 1 (2009), 60 – 98, Article ID http://ejournal.uvka.de/spatialconcepts/archives/861, Pages: 40


Als Angestellte aus dem Finanzsektor fand ich die Überlegungen zur Formatierung durch
Wirtschaftsprozesse sehr interessant, wenn auch etwas deprimierend.
Gleichwohl sind die hier aufgezeigten Perspektiven näherer Betrachtung wert.
Der Artikel stellt die aus meiner Sicht umfassendste Darstellung heutiger Räumlichkeiten dar. Ihre Bedingtheit durch marktwirtschaftliche Prozesse, allgemeinen Kulturverlust und neue technologische Errungenschaften ist ebenso erschreckend wie klar und detailliert dargestellt. Insbesondere hat mr der Annex “Typing & Loss” gefallen, und die sehr instruktiven Schemata, die eine heute beherrschende Dynamik zeigen, die des Marktes.
Wenn man die Konzentration und die Geduld aufbringt, den Artikel gründlich zu lesen, ein gelungener Wurf.
Der Artikel ist ein Feuerwerk von kulturkritisch inspirierten Ideen, die im einzelnen der Vertiefung harren.
Wir wissen: Die techno-ökonomische Markt-Rationalität ist keineswegs nur ein Projekt der individuellen und kollektiven Befreiung und des moralischen Fortschrittes, sondern sie schlägt – beispielsweise im Sinne einer “Dialektik der Aufklärung” oder eines “Prozesses der Zivilisation” – zurück auf die äußere Natur und auf die innere Natur des Menschen. Schon vor Horkheimer/Adorno oder N. Elias sprach Max Weber sprach vom “stahlharten Gehäuse”. Für die Analyse derartiger Prozesse sind u.a. folgende Konzepte bedeutsam: Ideen, Ideologien, Begriffe, Mentalitäten, Diskurse, Paradigmen, Typen, Kognitionen, Konditionierungen, Institutionen, Denk-Schemata, Muster, Normen und Normierungen …
Warum ist nun die Einführung des neuen Begriffs “Format” analytisch erforderlich? Der Begriff ist wohl von der Industrieproduktion (“DIN-A-4-Format”) in die Medienszene gewandert (“Sendeformat”), und von dort wird er jetzt in die sozialwissenschaftlichen Diskurse importiert. Handelt es sich dabei um eine Maßnahme des Wissenschaftsmarketing, oder bringt der Begriffstransfer Erkenntnisgewinne?
Als Beispiele für “Strukturformate” werden die Taylorsche Arbeitszerlegung und der Wolkenkratzer angeführt. Soll mit dem Begriff gewissermaßen betont werden, dass sich aus einer bestimmten technisch-ökonomischen Denkweise konkrete Gestaltungen ergeben, die dann eine anschauliche, beispielgebende Wirkung entfalten, weil sie gewissermaßen sichtbare Vorlagen bieten für eine musterhafte Vervielfältigung, ohne dass dabei noch das explizite Gedankengebäude mittransportiert werden muss, aus dem diese
Gestaltungen einmal entworfen worden sind? Formatierungsprozesse wären dann gewissermaßen halb- oder unbewusste Vervielfältigungen von Mustern – das, was in der Betriebswirtschaftslehre meines Wissens als implizites Wissen bezeichnet wird. Ein Format verselbständigt sich, weil es als solches zu einer Art Institution geworden ist, die eben nicht mehr in Frage gestellt wird. Ist das der Sinn der Einführung des Begriffes “Format”?
N.B.: Was die Industrialisierung und den Konsum des Erd-Raumes anbetrifft, hätte sich übrigens der Tourismus noch als ein besonders geeignetes Feld für kulturkritische Analysen angeboten. Immerhin handelt es sich hierbei ja um die weltweit bedeutendste Wirtschaftsbranche, die das, was Natur und Kultur zu bieten hatben, in außerordentlich vielfältigen “Formaten” vermarktet.
Ich bin Geschäftsführer einer international tätigen Beratungsfirma und finde vor diesem Hintergrund gerade den Annex des Artikels interessant: Konzentrationsprozesse, kombiniert mit zunehmender Sinnentleerung. Mein Eindruck ist, daß die Realität schon weiter gediehen ist, als es im Artikel und seinem Annex dargestellt wird. Konzentrationsprozesse führen zur Vorherrschaft einer Verwaltungsmentalität, als Emergenz. Diese Emergenz versteckt sich hinter definierten Verfahren, die den ursprünglich intendierten Zweck von Organisationen. und diesen Verfahren selbst in den Hintergrund rücken lassen. Mit der Folge, daß die damit verbundenen Mechanismen und die hinter ihnen stehende Sinnlosigkeit nicht mehr thematisiert werden. Dies trifft nicht nur auf die Organisationen selbst zu, sondern auch auf die Räume – nicht nur physische, sondern vor allem mentale – die von diesen Organisationen besetzt werden. Mit der Folge, daß sich die eingebundenen Akteure diesen Formatierungen gar nicht mehr entziehen können. So führt Emergenz der Formatierung und Sinnentleerung zu ihrer Begründung aus sich selbst, d.h. zu einem selbstreferentiell geschlossenen System.