Fortschritt als Fraktur im frühen Science Fiction Film. Metaphorologische Überlegungen zu Auf- und Einbrüchen in LE VOYAGE DANS LA LUNE und LE VOYAGE À TRAVERS L`IMPOSSIBLE von G. Méliès
Sep 24th, 2009 | By Jörg Hartmann | Category: Mobility, Topics, Transcultural analysisAuthor
Institut für Literaturwissenschaft, Universität Karlsruhe,
E-Mail: jrghartmann@gmail.com
Fulltext
Abstract English
Fantasies of man travelling into space form a main part of the popular movie genre ‘Science Fiction’. These celluloid visions are not only fantasies of improving transport, they also convey a meaning in a figurative sense. They can be seen as a modern adoption of one of humanities oldest metaphors, ‘life as a sea fare voyage’: the meaning, which was once expressed by this ‘nautical metaphor’, has been transferred and can nowadays be found in films, which show astro-nauts crossing the frontier from known space into the unknown space. In order to conclude on their attitude towards technological progress in the early 20th century, the two oldest space travel movies, Le Voyage dans la Lune (F 1902) and Le Voyage a Travers L’Impossible (F 1904) will be analyzed.
Keywords
Aerial view, Automobile, Blumenberg, Cyberspace, Early flying, Film, Flight into virtual space, Le Voyage dans la Lune, Le Voyage a Travers L’Impossible, Méliès, Metaphor, Mobility, New spatial frontiers, Risks, Shipwreck with Spectator, Science Fiction, Space, Space opera, Spaceship, Technological evolution
Citation
“Fortschritt als Fraktur im frühen Science Fiction Film. Metaphorologische Überlegungen zu Auf- und Einbrüchen in LE VOYAGE DANS LA LUNE und LE VOYAGE À TRAVERS L`IMPOSSIBLE von G. Méliès,” Journal of New Frontiers in Spatial Concepts, ISSN 1868-6648, vol. 1 (2009), 134 – 147,
Article ID http://ejournal.uvka.de/spatialconcepts/archives/980, Pages: 13


Ein sehr guter Artikel über die Transformation extraterrestrischer Reisen im letzten Jahrhundert! Wissenschaftsgeschichtlich lässt sich vielleicht noch anmerken, dass die Entdeckergesellschaft, “gekleidet in Gehrock und Pelz und ‚ausgerüstet‘ mit voluminösen Koffern” zu ihrer Zeit so ungewöhnlich nicht war und auch kein Zeichen für die Sichtweise der Fahrt als Freizeitabenteuer sein muss: Erst nach dem ersten Kontakt mit einer neuen Umgebung entwickeln sich (ob nun im Alpinismus, in der Fliegerei, beim Tauchen oder in der – fiktiven – Raumfahrt) spezielle Schutzkleidungen und Ausrüstungsgegenstände, den Mondfahrer im Outfit des Gentleman findet man so auch bei Jules Verne und H.G. Wells. Letzterer stand übrigens dem Luftkrieg nicht nur negativ gegenüber, sah er doch in einer Technokratie der Flieger die Lösung aller Probleme und stellte sie dementsprechend positiv in “The Shape of Things to Come” dar.
Faszinierend fand ich den Gedanken, dass das Raumschiff mit “Alien” Ende der 1970er von der bergenden Hülle zur lebensfeindlichen Umgebung wird: In der Tat sind Fortbewegungsmittel im Sci-Fi-Genre davor immer schützende Gefährte, die problemlos bedienbar sind und sich auf dem neuesten Stand der Technik befinden (Eine Ausnahme stellt vielleicht “2001: A Space Odyssey” mit dem mörderischen Bordcomputer HAL von 1968 dar).
Zum “Modernisierungsschub” und den damit verbundenen “neuen ästhetischen Perspektiven” gibt es übrigens einen sehr lesenswerten Artikel der Technikhistorikerin Barbara Orland: http://www.tg.ethz.ch/dokumente/pdf_files/OrlandPOPULAER.pdf